Schüsserlbrunnkapelle

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Schüsserlbrunnkapelle

Frau Oberlehrer  Maria SAMETZ († 1961) berichtet in ihrem 1952 erschienenen Heimatschriftchen „Ein Kirchlein steht im Blauen“ über die Entstehungsgeschichte von diesem Marienheiligtume, wo alljährlich, „seit Menschengedenken“, Pilger gläubigen Herzens hierher kommen, um Trost und Kraft zu finden. Sie schreibt: Die Aufzeichnungen sind spärlich wie die mündliche Überlieferung! Meine Quelle war Margarete ELMER († 1938), genannt die „Nahterin Gretl“. Von ihr holte ich zum Großteil die Tröpflein für meine Arbeit zusammen…

Auch hier gegenüber tropft aus der Felsenbrust ein klares Brünnlein in einst von Menschenhand aufgemeißelte steinerne Schüsselchen. Dazu hat der Volksmund gleich den Taufnamen SCHÜSSERLBRUNN geprägt. Dieser Ort wäre nicht bekannt geworden, wenn nicht Gottes Gnade durch Mariens Hände hier besonders reich geflossen wäre. Die Überlieferung erzählt: Auf den Hängen des Hochlantsch liegen saftige Almweiden, die jahrhunderte lang mit Weidevieh beschickt wurden. Da geschah einst- wann, erzählt keine Aufzeichnung, dass ein Rind über den Felshang stürzte und einige Tage unauffindbar blieb. Der Halter meldete den Verlust des Tieres. Und, siehe da: Auf vorspringender Felsplatte  (das war hier) befand sich das Tier ganz unversehrt. Großes Staunen und Bewundern, das aber noch größer wurde, als die Sucher ein Muttergottesbild entdeckten.

Möglich wäre es, dass um 1338, zur Zeit der Heuschreckenplage, als die Wallfahrten ihren Ursprung nahmen, ein frommer Pilger das Marienbild hierher gebracht hatte. Damals hatte eine ungarische Gräfin, die ein blindgeborenes Knäblein umhegte, einen seltsamen Traum. Sie wurde darin aufgefordert, über die Teichalm zu gehen und sich mit dem Kinde über die schroffe Felswand des Hochlantsch hinabzulassen. Dort werde sie ein Marienbild finden und ein Heilwasser in steinernen Grübchen. Mit diesem Wasser soll sie die Augen des Kindes benetzen. Unter unsäglichen Mühen erreichte die Gräfin die bezeichnete Stelle, wo sie dem Auftrag des Traumgesichtes entsprach. Von der Stunde an war das Knäblein sehend, und im heißen Dankgefühl ließ die Frau vor dem Wunderbrünnlein eine Kapelle errichten. Sie soll gemauert gewesen sein. Wie groß sie war, wie lang sie stand, niemand weiß es zu sagen und keine Kunde erzählt von ihrer Ausstattung.

Im Jahre 1882 nahm Pfarrer Josef Mogg unter Assistenz von Pfarrer Dr. Peter Macherl aus Gasen und Vikar Peter Kramper aus Breitenau die Einweihung dieses Kirchleins vor. 1894 wanderte das Glöcklein – von einer Grazer Familie gespendet – in diese Bergeinsamkeit. 1900 wurde der Altar geweiht. Auf Antrag und Bitten von Georg Häusler hat Pfarrer Karl WINKLER um Erhebung zur Messkapelle angesucht und am 1. Mai 1915 war hier die erste heilige Messe. 1932 wurde das 50-jährige Jubiläum unter Pfarrer Josef LEOPOLD (+ 1970) feierlich begangen. Im April 1951 sauste ein Felssturz auf die Kapelle nieder, durchschlug Dach und Decke, beschädigte Altartisch, Luster, Fußboden und die Fenster. Für diese großen Reparaturen spendeten das Land Steiermark, die bischöfliche Finanzkammer und wie immer viele Freunde von Schüsserlbrunn aus nah und fern.

Die wohl größte Aktion zur Rettung dieses Bergkirchleins wurde im Jahr 1974 über Initiative des damaligen Vizebürgermeisters Josef ZIRBISEGGER ins Leben gerufen. Galt es doch, dieses Kirchlein vor einem drohenden Felssturz und Abrutsch zu bewahren. So musste es 10 Meter auf ein im Fels verankertes, neues Betonfundament verschoben und das neben befindliche Gasthaus geschleift werden. Pfarrer Franz KELZ, der nimmermüde Motor der Aktion „Rettet Schüsserlbrunn“, legte Hand an, wo es ging und verfolgte selbst vom Krankenbett aus noch mit Interesse die Arbeiten. Als er dann am 1. Nov. 1978 verstarb, versprach der damalige Bürgermeister, Dir. Rudolf STADLER, „sein Schüsserlbrunn“ am 24. Mai 1979 wieder zu eröffnen.

 

 

Aktualisiert (Freitag, den 21. Juni 2013 um 10:46 Uhr)